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Immer mehr Kunstherzen

 

Erfolgreiche Rehabilitation in der Schüchtermann-Klinik

Die Implantation von sogenannten Kunstherzen nimmt zu. In Deutschland seien im vergangenen Jahr rund 1000 Patienten mit den mechanischen Herz-Kreislauf-Unterstützungssystemen ausgestattet worden, berichtete Oberarzt Prof. Dr. Nils Reiss in einer Veranstaltung der Schüchtermann-Klinik Bad Rothenfelde zum Thema „Rehabilitation für Kunstherzpatienten“.

 

Seit der Einführung 2007 sind bisher rund 370 Kunstherz-Patienten zur Rehabilitation in der Klinik gewesen. Sie dauert etwa drei bis fünf Wochen.

Das Unterstützungssystem helfe Menschen mit fortgeschrittener Herzschwäche, sagte Prof. Dr. Reiss: „Wir haben es mit einem Paradigmenwechsel zu tun: Vor einigen Jahren wurde das System noch als Überbrückung verwendet, mittlerweile werden Patienten dauerhaft damit versorgt.“

Auch die Größe der Kunstherzen hat sich geändert: Die ersten Systeme waren  „groß wie ein Kühlschrank“. Patienten benötigten zwei Helfer zum Schieben der Apparatur. Die Geräte sind aber in den letzten Jahren immer kleiner geworden und passen mittlerweile gut in eine Umhängetasche.

Auch der Umfang der Implantate sei geschrumpft, erläuterte der Referent. Ihr Gewicht wurde von rund 1200 auf jetzt rund 100 Gramm reduziert: „Sie sind klein wie ein Golfball.“ Ein Vorteil: Das Implantat kann nun einfach in den Herzbeutel gelegt werden. Beim Einsetzen wird zudem nicht mehr das ganze Brustbein durchtrennt, kleine Schnitte reichen aus.

Der Mediziner informierte auch über Verhaltensregeln für Kunstherzpatienten: Baden und Schwimmen sei nicht möglich, Waschen und Duschen hingegen schon. Wichtig sei es, Überanstrengungen zu meiden und die tägliche Arbeitszeit auf etwa drei Stunden zu begrenzen. Auf das Reisen mit Auto, Bahn und Flugzeug müsse nicht verzichtet werden. Empfohlen seien Sportarten wie Wandern und Golf sowie andere Aktivitäten ohne übermäßige Anstrengung.

Oberärztin Petra Bartsch sprach im zweiten Teil der Veranstaltung mit Kunstherzpatienten über deren Alltag und ihre Erfahrungen mit dem System. Dabei wurde deutlich, dass fast alle nach anfänglicher Eingewöhnung gut mit dem Herz-Kreislauf-Unterstützungssystem zurechtkommen und dankbar sind, wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.