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Welche Therapie ist für ältere Patienten die beste?

Der Nutzen und das Risiko kardiologisch-kardiochirurgischer Eingriffe beim älteren Patienten standen im Mittelpunkt der diesjährigen Herbsttagung des Herzzentrums Osnabrück-Bad Rothenfelde. Rund 150 Gäste waren ins medicos.Osnabrück gekommen, um sich darüber zu informieren, welche Kriterien für eine sinnvolle Therapieentscheidung bei hochbetagten Patienten bedacht werden sollten.

Prof. Dr. Joachim Thale, Chefarzt der Kardiologie in der Schüchtermann-Klinik und der Medizinischen Klinik I im Klinikum Osnabrück, stieg mit Internet-Livebildern der Rosetta-Mission in die Veranstaltung ein. Ähnlich wie in der Raumfahrttechnik haben sich die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten in den letzten beiden Jahrzehnten geradezu unglaublich weiterentwickelt. „Wir können technisch mehr, als wir manchem unserer Patienten zumuten können“, so Prof. Dr. Thale. Bei älteren Patienten ist daher eine individuelle Nutzen-Risiko-Bewertung von besonderer Bedeutung.

Prof. Dr. Andreas Simm, Forschungsleiter der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des Uniklinikums Halle/Saale, widmete sich intensiv dem Thema, wann ein Patient „zu alt“ für einen Eingriff sei. Ausschlaggebend sei hier jedoch weniger das kalendarische als das sogenannte biologische Alter sowie Einschränkungen der Mobilität bzw. die Gebrechlichkeit (frailty). Um das mögliche Risiko einer Operation richtig abschätzen zu können sei das „Frailty“-Konzept sinnvoll. Dabei werden relativ einfache Messparameter wie z.B. die Schrittgeschwindigkeit bei einer kurzen Gehstrecke bewertet. Zudem sei das direkte Gespräch mit dem Patienten sehr wichtig, um dessen Erwartungen an die Therapie zu kennen. „Während ältere chronisch kranke Patienten sich häufig eine Linderung ihrer Symptome und damit eine erhöhte Lebensqualität erhoffen, steht die Verlängerung der Lebensdauer meist nicht im Vordergrund“, erläuterte Prof. Dr. Simm.

Die Bedeutung des intensiven Gesprächs mit dem Patienten betonte auch Prof. Dr. Thomas Wichter, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin/ Kardiologie im Marienhospital Osnabrück. Und Prof. Dr. Henning Warnecke, Chefarzt der Herzchirurgie in der Schüchtermann-Klinik, ergänzte: „Die Entscheidung, ob für einen Patienten eine medikamentöse Therapie, kardiologische Intervention oder herzchirurgische Operation angebracht sei, wird in der Schüchtermann-Klinik meist im Herzteam getroffen.“ Kardiologen, Herzchirurgen und weitere Spezialisten tauschen sich in regelmäßigen Gesprächen interdisziplinär aus und sollen so die für den Patienten sinnvollste Behandlung finden. „Bei der Behandlung älterer Patienten müssen wir uns immer auch auf unsere klinische Erfahrung verlassen, starre Altersgrenzen helfen uns hier nicht weiter.“