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Medolution

Der Mangel an Spenderherzen hat dazu geführt, dass viele Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz auf der Warteliste keine Aussicht auf ein entsprechendes Spenderorgan haben.

Durch die enorme technische Entwicklung und Miniaturisierung von Linksherzunterstützungs­systemen (LVAD) - umgangssprachlich auch Kunstherz genannt - wurde die Implantation dieser Systeme im Laufe der Zeit zur einzigen Alternative der Herztransplantation.

Um diesen Patienten nicht nur während des stationären Aufenthaltes, sondern auch zuhause eine adäquate und suffiziente medizinische Überwachung zur Vermeidung lebensbedrohlicher Komplikationen zu gewähren, ist im deutschen Teilprojekt von Medolution die Entwicklung und Erprobung eines umfassenden IT-gestützten Telemonitorings und -managements für LVAD Patienten geplant.

Die Kosten für den Wechsel eines Herzunterstützungssystems werden heute auf etwa 70-80T€ nur für das System allein beziffert. Die zukünftige Vermeidung solcher Pumpenwechsel durch die Anwendung von Konzepten und Ergebnissen aus Medolution dürfte die Kosten für potentielle Komplikationen der LVAD Therapie erheblich senken. Signifikante Kostenvorteile können auch erzielt werden, wenn durch die Anwendung der geplanten F&E-Erkenntnisse im Bereich des "MPG Aware Engineering von BDS" die Kosten für die spätere Zertifizierung und Zulassung solcher IT Produkte für den Medizinbereich gesenkt werden können.

Ziel des Projektes Medolution ist die systematische Entwicklung von Big Dependable (Medical) Systems (BDS) als Integration vernetzter und verlässlicher Systeme. Erstere bringen vielfältige Sen­soren, Mobilfunkdienste und Geräte sowie Cloud-Infrastrukturen und Big Data Ana­ly­se­funk­tio­nen zu einem funktionsreichen, aber nur eingeschränkt zuverlässigen Gesamtkomplex zusammen, während letztere statisch konfiguriert sind und mittels dedizierter Hardware kritische Funktionen in zu­­­ver­lässiger, funktions- und informationssicherer Weise erbringen. In BDS sollen nun auch ver­netzte unzuverlässige Komponenten definierte Beiträge für kritische Funktionen leisten können. Systemverwaltungsdienste, Fehlertoleranzverfahren und Sicherheitsmechanismen sowie daran an­gepasste Architekturkonzepte, Entwurfs- und Analyseverfahren werden die effi­ziente Ent­wick­lung von BDS unterstützen, damit sie z.B. zertifizierbare Bestandteile von Medi­zin­ge­räten bilden können.

Im deutschen Teilprojekt werden diese softwaretechnischen Voraussetzungen für diese neuartige medizinische Anwendung erarbeitet. Weiterhin wird auf ihrer Basis ein neuartiges überregionales und nachhaltiges Nachsorge‑, Betreuungs- und Notfallkonzept für Patienten mit Herzunterstützungs­systemen entwickelt, das vielen Patienten bei guter Lebensqualität den angstfreien Weg zurück in den "normalen" Alltag ermöglicht und zur Vermeidung von Komplikationen und kostenintensiven Folgeeingriffen beiträgt.

ITEA 3

ITEA 3 ist ein industriegetriebenes Cluster der europäischen Forschungsinitiative EUREKA zur Stärkung der europäischen Position auf dem Gebiet der Software-intensiven Systeme und Dienste. Es ergänzt die Programmatik des BMBF in diesem Bereich um Aspekte der europäischen Zusammenarbeit. Das Vorhaben "Medolution" mit Partnern aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, der Türkei und Kanada wurde im Rahmen der Begutachtung des 1. Calls von ITEA 3 vom BMBF und den Fördergebern der Partnerländer wegen seiner strategischen Bedeutung für die europäische Wettbewerbsfähigkeit priorisiert und wird auch von den in ITEA organisierten europäischen Industrievertretern unterstützt.