“Bei Herzbeschwerden unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen”

Schüchtermann-Klinik Bad Rothenfelde "Bei Herzbeschwerden unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen"

Menschen mit Herzerkrankungen gelten in der aktuellen Corona-Pandemie als besonders gefährdet. Was sie im Alltag beachten müssen, erklärt Prof. Gerold Mönnig, Chefarzt der Kardiologie in der Schüchtermann-Klinik.

Wie gefährlich ist Covid19 für Herz-Patienten?

Die Gefahr für Herz-Patienten, insbesondere mit einer koronaren Herzerkrankung, die sich mit dem Covid 19-Virus infiziert haben, ist deutlich höher als bei Personen, die nicht am Herzen vorerkrankt sind. Obwohl die Infektion häufig mit nur milder Symptomatik oder sogar asymptomatisch verläuft, ist das Risiko bei Herz-Patienten für Komplikationen deutlich erhöht. Hierzu gehört das Lungenversagen, Gerinnsel-Bildung im venösen und arteriellen System, ein septischer Schock und sogar der Tod. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass all diese Komplikationen bei Herz-Patienten bis zu zweimal häufiger auftreten.

Aus Angst vor einer Ansteckung meiden Patienten derzeit Krankenhäuser. Welche Folgen kann das haben?

Dies kann katastrophale Folgen haben. Aus Erfahrungsberichten wissen wir, dass sich in der Corona-Pandemie die Zeit vom Auftreten akuter Herzbeschwerden bis zur Alarmierung des Rettungsdienstes vervielfacht hat. Wir wissen dagegen schon lange, dass der Faktor Zeit gerade bei einem Herzinfarkt ganz wesentlich zur Prognose beiträgt. Es gilt der Grundsatz “Zeit ist Herzmuskel” auch in der aktuellen Zeit. Ich kann daher nur jedem dringend raten, bei neu aufgetretenen oder zunehmenden Herzbeschwerden unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Alle Krankenhäuser im Landkreis Osnabrück haben ein umfangreiches Hygiene-Programm, so dass das Infektions-Risiko innerhalb einer Klinik verschwindend gering ist.

Gibt es Eingriffe, die aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden sollten?

Rein elektive Eingriffe wie z. B. Schönheits-Operationen oder orthopädische Operationen, sind während der ersten Infektionswelle eher verschoben worden. Bei der Herzmedizin gilt jedoch grundsätzlich: Die meisten Eingriffe sind prognostisch notwendig und meistens nicht beliebig verschiebbar. Notfalleingriffe müssen unverzüglich durchgeführt werden. Dafür war und ist das Herzzentrum jedoch jederzeit vorbereitet.

Was müssen Patienten mit Herz-Kreislauf Erkrankungen in der aktuellen Situation beachten?

Im Prinzip sollten sie sich gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts verhalten, wie jede andere Person auch:

1. Abstand halten, mindestens 1,5 Meter
2. Hygiene beachten (insbesondere häufiges Händewaschen)
3. Mund-Nasen-Schutz tragen.

Sollte ein Herz-Patient trotz dieser Maßnahmen Symptome einer COVID 19-Infektion verspüren (Fieber, trockener Reizhusten, Geschmacksverlust) sollte er sofort telefonisch Kontakt zu seinem Hausarzt aufnehmen. Dieser entscheidet dann zusammen mit dem Gesundheitsamt über einen Rachenabstrich und gegebenenfalls über eine Krankenhauseinweisung.