“Mir geht es wieder richtig gut”

Schüchtermann-Klinik Bad Rothenfelde "Mir geht es wieder richtig gut"

 

Bad Rothenfelde. „Erkrankungen am Herzen liegen bei uns in der Familie“, sagt Winfried Bollmer. Nach seinem Vater und seiner Schwester wurde auch er erfolgreich in der Schüchtermann-Klinik behandelt. Ursächlich bei allen dreien waren Schäden an der Herzklappe. Doch auch wenn bei allen Erkrankungen der Aortenklappe diagnostiziert wurden, die Behandlung unterschied sich deutlich. Bollmers Schwester erhielt eine mechanische Herzklappe aus Carbon, sein Vater eine aus biologischem Material. Winfried Bollmer entschied sich für die so genannte Ross-OP. Bei diesem Eingriff wird die geschädigte Aortenklappe durch eigene Lungenarterienklappen (Pulmonalklappen) des Patienten ersetzt. Der komplexe Eingriff, der den Verzicht auf eine künstliche oder biologische Aortenklappe ermöglicht, wird nur in wenigen Herzzentren in Deutschland vorgenommen.

„Wir empfehlen biologische Herzklappen nur Patienten ab einem Alter von 65 Jahren, da biologische Herzklappen einem natürlichen Alterungsprozess ausgesetzt sind und nach 15 bis 20 Jahren möglicherweise nochmals behandelt werden müssen. Mechanische Herzklappen halten dagegen in der Regel ein Leben lang“, so Prof. Dr. Nicolas Doll, Chefarzt der Herzchirurgie in der Schüchtermann-Klinik. „Nach der Implantation einer mechanischen Klappe ist der Patient allerdings dauerhaft darauf angewiesen, Blut verdünnende Medikament zu nehmen“, ergänzt Dr. Michael Billion, leitender Oberarzt. „Dies ist einer der Gründe, warum wir Patienten bis zu einem Alter von 55 Jahren die Ross-OP als Alternative anbieten. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch: Da wenige Spenderklappen verfügbar sind, ist die OP mit einer Wartezeit verbunden.“

„Als ich davon hörte, dass es mit der Ross-OP eine Alternative für mich gibt, bei der ich nicht dauerhaft Medikamente zur Blutverdünnung nehmen muss, habe ich sofort zugestimmt“, sagt Winfried Bollmer aus Wietmarschen (Grafschaft Bad Bentheim). Nur durch Zufall war seine Herzerkrankung bei ihm entdeckt worden. „Als bei meiner Schwester eine Erkrankung der Herzklappe diagnostiziert wurde, riet sie mir, mich untersuchen zu lassen.“ Erst da habe er erfahren, dass er mit einer bikuspiden Aortenklappe geboren wurde. Bei diesem Herzklappenfehler weist die Aortenklappe nur zwei statt drei Taschen aus und nutzt sich dadurch schneller ab.

Fünf Jahre wurde der Wietmarschener von seinem Kardiologen engmaschig überwacht. „Ich merkte zwar, dass ich nicht mehr so fit war wie früher. Gravierende gesundheitliche Probleme hatte ich aber nicht“, betont er – bis er vor einigen Monaten  einen Schwächeanfall erlitt. Als er im Hafen in Lingen  sein Boot zu Wasser lassen wollte, brach er plötzlich zusammen. „In den Monaten zuvor war es mir etwas schlechter gegangen“, gibt er zu. „Aber ich war dennoch geschockt.“

„Nachdem mein Vater und meine Schwester bereits erfolgreich in der Schüchtermann-Klinik behandelt wurden, wollte ich auf jeden Fall auch nach Bad Rothenfelde.“ Hier entfernte ihm das zehnköpfige OP-Team um Dr. med. Michael Billion in einem mehrstündigen Eingriff  zunächst die geschädigte Aortenklappe und ersetzte diese durch die eigene Pulmonalklappe. Diese wurden dann durch eine entsprechende Pulmonalklappe eines Gewebespenders ersetzt. Nach der Behandlung wurde Winfried Bollmer zwei Tage auf der Intensivstation und sieben Tage auf der Normalstation versorgt, bevor er entlassen werden konnte. Die Rehabilitation absolvierte der 54-Jährige an seinem Heimatort ambulant.

Die Entscheidung für die Ross-OP hat Winfried Bollmer auch einige Monate nach seinem Eingriff nicht bereut. „Inzwischen geht es mir wieder richtig gut.“ Auch mit seinem Kajütenmotorboot ist er wieder unterwegs. Jetzt hofft, er dass er gesundheitlich in die Fußstapfen seines Vaters treten kann. „Mit 90 Jahren ist er noch fit wie ein Turnschuh.“

Dr. Michael Billion, leitender Oberarzt der Herzchirurgie, ist da zuversichtlich. „Aktuelle Veröffentlichungen aus dem ROSS-Register zeigen eine gute Langzeitprognose für Patienten nach einer solchen Operation.“