Eine Alternative zum Aortenklappenersatz mittels Kunst- oder Bioprothese ist die von Donald Ross 1967 erstmalig durchgeführte Operation (ROSS-OP). Sie wird zum Ersatz der eigenen Aortenklappe sowohl bei Aortenklappenstenose, als auch bei Aortenklappeninsuffizienz – wenn diese nicht rekonstruiert werden kann – und Aortenklappenendokarditis angewandt.

Bei diesem Operationsverfahren wird die erkrankte Aortenklappe durch die eigene Pulmonalklappe (Lungenschlagaderklappe) als sogenannter Autograft ersetzt. Dieser zeigt in der Position der Aortenklappe eine optimale Hämodynamik bei voller Belastbarkeit und eine gute Langzeitfunktion. Die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten ist nicht erforderlich, so dass Patienten keine Einschränkungen im Lebensstil erfahren und eine unproblematische berufliche Wiedereingliederung möglich ist.

Anstelle der eigenen Pulmonalklappe wird die Pulmonalklappe eines Organspenders (Homograft) verwendet. Da die Anzahl von Spenderorganen begrenzt ist, ist dieses Verfahren unter Umständen mit einer längeren Wartezeit bis zum OP-Termin verbunden.

Bei Zustimmung des Patienten werden die entsprechenden anonymisierten Daten an das sog. ROSS-Register übermittelt.

Für wen eignet sich die Behandlung?

Die isolierte Aortenklappenerkrankung bei jungen Patienten bis zu einem Alter von 55 Jahren ist eine allgemein akzeptierte Indikation. Vor allem junge, sportlich aktive Patienten, Patienten mit Kontraindikationen für eine dauerhafte Antikoagulation (Blutverdünnung) und junge Frauen mit Kinderwunsch profitieren von diesem Operationsverfahren.

Kontraindikationen sind anatomische und strukturelle Defekte der Pulmonalklappe, Bindegewebserkrankungen (z.B. Marfan-Syndrom), ausgeprägte koronare Herzerkrankung, stark eingeschränkte Herzfunktion sowie rheumatische Erkrankungen.

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Welche Risiken bestehen?

Es besteht ein nur unwesentlich erhöhtes operatives Risiko im Vergleich zu einem Aortenklappenersatz mittels Kunst- oder Bioprothese. Der operative Aufwand ist deutlich größer und die Operation dauert länger.

In der Regel tritt keine Abstoßungsreaktion wie bei einer Organtransplantation auf. Auftreten können Fremdkörperreaktionen wie diskrete Temperaturerhöhungen.

Das Hauptproblem dieses OP-Verfahrens besteht in einer möglichen Dysfunktion des pulmonalen Homograft. Die Reoperationsrate hierfür liegt nach 20 Jahren bei ungefähr 8 Prozent und ist damit deutlich niedriger als die für Bioprothesen angegebene Reoperationsrate. Aus diesem Grund erfolgen auch regelmäßige Nachuntersuchungen mit besonderem Augenmerk auf den Homograft.

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